Psychoprogramme
September 1998
Wie ich eine Cola-Dose richtig aufmache
"Was soll den DAS schon wieder?", werden jetzt sicherlich einige fragen, aber eine Dose öffnen heisst nicht gleich eine Dose öffnen. Vielmehr kann man viel über den Charakter des sogenannten Dosen-Öffners erfahren, indem man ihm bein Dosenöffnen zusieht. Um Laien in der Dosen-Psychologie die elementarsten Elemente der elementaren Psychologie bei Dosen zu erklären, folgen nun einige einfach nachzuvollziehende Beispiele:
Der 08-15-Typ:
Dieser hält die Dose in einer Hand. Der Daumen wird vor die Dose gebracht und der
Öffner wird mit dem Zeigefinger langsam, unter dem mittlerem Zischen der entweichenden
Kohlensäure, nach oben gebogen. Sobald die Dose auf ist, wird der Öffner wieder
zurückgebogen.
Der coole Typ:
Er oöffnet die Dose mit einer (!) Hand. Dazu klemmt er den Finger
unter den Öffner schwingt die Hand (mit der Cola-Dose) nach oben und reisst
sie dann blitzschnell nach unten. Das Zischen der Kohlensäure ist übermässig
laut, um auch genügend Aufsehen zu erregen.
Der Rambo-Typ:
Er stellt die Dose in 50-80 cm Entfernung auf und ballert mit seiner Uzi auf die
Dose. Danach nimmt er die Dose und versucht, die auslaufende Cola zu trinken. Versuche mit
Handgranaten schlugen übrigens fehl, da sich die Cola im Umkreis von ca. 150 m
gleichmässig verteilte. Die Kohlensäure kommt erst gar nicht zum Zischen.
Der Säufer:
Bohrt ein Loch in den Dosen-Boden, hält dieses an den Mund und öffnet die Dose
(Fast genauso wie der 0815-Typ, jedoch schneller!). Die rausströmende Cola ist in ca. 3-5
sec. verschwunden (In der Regel im Magen, manchmal auch (bei Leuten mit schwachen Mägen)
nach weiteren 3-5 sec. wieder ausserhalb im Umkreis von ca. 20 Metern). Das Zischen der
Kohlensäure wird vom Rauschen der Cola überlagert!
Der Snob:
Zieht sich erstmal die weissen Handschuhe an und desinfiziert die Cola-Dose
mit einem Spray. Dann hält er die Dose mit einer Hand fest. Mit dem Daumen
und dem Zeigefinger packt er den Öffner (mit ausgespreiztem kleinem Finger,
wichtig!) und zieht den Öffner so leicht nach vorn, dass kaum ein Zischen wahrzunehmen
ist. Dann klappt er den Öffner zurück. Er setzt den desinfizierten, vergoldeten
Schütt-Aufsatz auf die Dose und schüttet sich einen Schluck in sein
Blei-Kristall-Glas.
Der gewalttätige Typ:
Er packt die Dose in einer Hand und quetscht sie solange bis der Verschluss durch
den Druck wegspringt. Abgesehen von einem leichten Knall ist auch hier kein Zischen zu
hören.
Der Programmierer:
Er schreibt erst ein Fluss-Diagramm und programmiert dann eine Simulation, die ihm
das Öffnen einer Cola-Dose erklärt. Aus dem selbstgeschriebenem Doc-File kann er dann
weitergehende Informationen entnehmen und so die Dose öffnen. Das Zischen ist normal bis
etwas lauter.
Der Bastler:
Baut sich aus Fischer-Technik einen Cola-Dosen-Öffnungs-Automaten. Das Öffnen
erfolgt über einen kranähnlichen Arm, der über der Dose angebracht wird. Bastler, die
über einen Computer verfügen, steuern das Öffnen natürlich über ihre Schnittstelle
direkt vom Computer aus. Durch die doch etwas wackelige Konstruktion und dem ungenauen
Ansteuern der Schrittmotoren zischt es beim Öffnen etwas lauter.
Der Physiker:
Er berechnet den optimalen Aufzieh-Winkel unter Beachtung des geringsten
Energie-Aufwandes. Anschliessend leistet er Verformungsarbeit beim Aufziehen des Öffners.
Die Cola ist für ihn die unwichtigste Sache überhaupt. Ihn interessiert die
Vektor-Addition der Kräfte, die beim Öffnen auftreten oder der Energie-Gehalt des
entweichenden Gases. (Wobei er das Gas nachweist!). Das Zischen ist auch nicht lauter als
normal.
Der Chemiker:
Sprengt den Öffner plus Deckplatte mit einem selbstgemachten Sprengstoff ab. Der
Knall übertöent das Zischen. Er analysiert die Zusammensetzung, wartet auf das Ergebnis,
liest es, fängt an zu schwitzen und stellt die Dose weg.
Der Mantafahrer:
Obwohl an Manta-Fahrer noch keine Cola verkauft werden darf (Jugend-Schutz-Gesetz -
Irgendwer muss ja die Jugend vor denen schützen!), kommen einige Manta-Fahrer doch an
eine Cola-Dose. Nachdem sie 3 Std. an der Dose rumgekratzt haben (mit dem Autoschlüssel)
und den Öffner (ohne die Dose zu öffnen) im Eifer ihres Unwissens abgebrochen haben, legen sie
die Dose auf die Strasse und heizen einmal mit ihrem Manta drüber und dann nochmal über
die ausgelaufene Cola, um die Bakterien abzutöten. Anschliessend schlürfen sie die Cola
auf.
Der Sozial-Psychologe:
Versucht die Cola-Dose zu überreden, sich von selbst zu öffnen, Selbstinitative zu
ergreifen. Wenn das nach 5 Std. härtester Konversation (sofern man davon sprechen kann,
bis jetzt hat noch keine Cola-Dose geantwortet) nichts hilft und die Dose immer noch zu
ist, bricht er heulend vor der Dose zusammen. Bis jetzt ist noch kein Sozial-Psychologe
gesehen worden, der eine Cola trinkt, daher also auch kein Zischen.
Der Ostfriese:
Er sucht 2 Std. auf der Unterseite nach dem Öffner. Anschliessend geht er ins
Geschäft und reklamiert die Dose und kauft sich dafür lieber einen Küstennebel, weil
man den oben aufschrauben kann! Kein Zischen (logisch)!
Der Indianer:
Er macht einen Regentanz um die Dose. Es fängt an zu regnen. Anschliessend wartet
er, bis die Cola-Dose genügend oxidiert ist, bis er sie skalpieren kann. Das Zischen ist
bei dieser Methode auch gleich Null.
Der Proll:
Er setzt die Cola-Dose in einen Dosenhalter im Golf-GTI-Look und holt
seinen vergoldeten Dosenöffner aus der Hose (äh so, der Dosenoeffner
war das..."), an dem Glöckchen hängen, damit auch alle gucken!
Anschliessend setzt er den Dosenöffner an und hebelt die Dose auf. Beim
letzten Hebeln jedoch rutscht er ab und bricht sich die Hand. Beim Trinken reisst
er sich die Lippen an den Schnittstellen auf und beim Abnehmen des GTI-Dosen-
Halters bricht er sich die andere Hand, worauf er wutentbrannt gegen eine Mauer
tritt und sich den Fuss bricht. Aber das Wichtigste: Er ist Mittelpunkt des
Abends (und später im Krankenhaus)!
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