Eigene Gedanken   Januar 2005 - Dezember 2005

Leute, die Gedanken müssen nicht unbedingt meinen Gemütszustand widerspiegeln. Manchmal verarbeite ich auch einfach längst vergangenes oder Ereignisse anderer Leute zu einem Kurztext.

Übrigens: Die Textmarken sind alle in Ordnung. Die ungeduldigen unter Euch müssen halt DOCH einen Moment warten, bis die Page GANZ geladen ist. Erst dann reagieren diese Dinger so, wie sie sollten - und hüpfen nicht einfach frech an den Seitenanfang ;-)

  Altern 27.01.05     Leere Wohnung 03.05.05
  Begegnungen zwischen zwei Wimpernschlägen 29.03.05     Macht der Gedanken 06.02.05
  Begleiter 27.01.05     Mit dem Kopf fühlen 22.04.05
  Deproschübe 30.04.05     Morgendliche Fahrt 14.02.05
  Eigentlich 21.02.05     Nur zwei Hände 04.05.05
  Einsamkeit 02.05.05     Originelle und findige Wege 29.03.05
  Englischer Lesestoff 21.02.05     Persönlicher Editor 03.05.05
  Freie Tage 01.05.05     Romeo und Julia 01.03.05
  Familie 27.01.05     Schönheit von Innen 06.02.05
  Gefühlswallungen 06.02.05     Schutzengel 15.02.05
  Gewohnheiten 14.02.05     Sommerdüfte 21.02.05
  Halb voll oder halb leer 22.04.05     Unerreichbare Ziele 28.02.05
  Hülle 23.03.05     Unsichtbar 06.02.05
  Innere Werte 06.02.05     Verpasste Chance 04.04.05
  Ist das alles? 04.04.05     Wahrnehmungen 29.01.05
  Klassierungen 06.02.05     Wetter 14.02.05
  Kontrolle 06.02.05     Wirkung 27.01.05
  Lass mich los 12.02.05          

Listinus Toplisten

Wirkung

Ja, ich habe eine Wirkung auf Männer.
Und manchmal - wenn auch selten - ist sie sogar positiv.

Elle, 27.01.05

Altern

Ab und an höre ich von älteren Mitmenschen die Aussage:
"Es ist nicht schön, alt zu werden."
Manchmal beobachte ich ältere Leute
und erinnere mich dann an diesen Satz.

Ich frage mich augenblicklich,
ob sie wohl glücklich sind oder
ob sie auch daran denken,
wie lange sie noch hier unten ausharren müssen,
bis sie gehen können.

Sicher ist es nicht lustig, wenn man für 100 Meter
fast eine halbe Stunde benötigt,
wenn man ohne Brille beinahe blind ist
und die Hände unaufhörlich zittern,
wenn man nicht lange schlafen kann,
unendlich viel Zeit hat, aber keine Energie, sie zu nutzen.

Aber ist das Leben nicht trotzdem schön im Alter?
Kann man wirklich nichts davon geniessen?

Elle, 27.01.05

Familie

Langsam komme ich mir wie Ally McBeal vor,
die das tanzende Baby dauernd sah.
Nein, ich schnappe nicht über.
Wer die Serie kennt, weiss, dass dieses Baby
ihre biologische Uhr symbolisiert,
zu laut zu ticken begann.

Auf einmal ist da ein unbändiger Kinderwunsch,
der mir regelrecht unheimlich ist.
Wann habe ich mir diesen Virus eingefangen,
wo kommt dieser Floh her, der an meinem Ohr knabbert?
Und ... wie werde ich ihn wieder los,
bis ich den dazugehörigen Partner kennen lerne?

Elle, 27.01.05

Begleiter

Es hat schon was, dass Haustiere der Seele gut tun -
vor allem, wenn man so ein verschmustes Exemplar wie Idefix hat.
Er folgt mir auf Schritt und Tritt,
setzt sich auf meinen Schoss,
auf die Beine oder was auch immer er grade so
als bequeme Sitzgelegenheit empfindet.

Da ist jemand, der mich seit 12 Jahren begleitet,
mir Gesellschaft leistet, rumschmust, rumnervt, mir scheinbar zuzuhören scheint,
meine Tränen trocknet, mich aber auch des öftern ärgert.
Auch wenn es nur ein Tier ist - er wartet zu Hause auf mich
und freut sich, wenn ich die Tür aufschliesse.

Elle, 27.01.05

Wahrnehmungen

Das Spiegelbild ist doch eigentlich das Abbild von jemandem.
Komisch nur, dass ich im Spiegel anders aussehe wie auf Fotos.
Wie nur ist es möglich, dass eine Linse so brutal
10, 20 Kilogramm mehr zeigen kann wie der Spiegel an der Wand?
Liegt es an der Perspektive?

Elle, 29.01.05

Klassierungen

Dass Männer Frauen mit Ratings versehen, ist nichts Neues.
Was sich jeweils unterscheidet, sind die Kriterien,
an denen die Frauen gemessen werden.

Ich war aber erstaunt, dass ein paar Männer dabei realisieren,
dass Frauen mit der Bestnote in der realen Welt nicht existieren.
Aber warum suchen und jagen sie dann doch immer
diesem Phantom hinterher?

Elle, 06.02.05

Innere Werte

Für den allseits beliebten Satz von schönen Menschen
"Die innere Schönheit zählt"
habe ich nur ein müdes Lächeln übrig.

Genau ... klar! Wenn das Äussere nicht attraktiv genug ist -
wen interessiert dann, welchen noch so hübschen Kern
diese Hülle umgeben könnte?

Elle, 06.02.05

Schönheit von Innen

Wenn wahre Schönheit tatsächlich von Innen kommt,
wie landläufig behauptet wird,
muss ich ja durch und durch ein hässlicher Mensch sein.
Denn äusserlich ist da nicht viel sichtbar.

Mir ist auch klar, dass ich mit so vielen negativen Gedanken
keine besonders gute oder schöne Ausstrahlung habe.
Aber vielleicht ist da ja doch jemand,
der mir wieder ein Strahlen in die Augen zaubert
und die Flamme anzündet,
damit die innere Dunkelheit verschwindet.

Elle, 06.02.05

Macht der Gedanken

Im Moment habe ich fast keine Kraft und Energie,
etwas Positives an meiner Situation zu finden.
Die dunklen Gedanken sind immer einen Schritt voraus.
Wo ist der Optimismus, das Dauerlächeln,
das fast schon zu einem Markenzeichen von mir geworden ist?

Alles scheint so grau, so auswegslos zu sein.
Wo ich sonst kämpfe, resigniere ich, stumpfe ab.
Und ich stlele mit Beängstigung fest,
dass mir immer mehr alles egal ist
und mit einem Achselzucken als nicht änderbar abgetan wird.

Elle, 06.02.05

Kontrolle

Ich behalte gern die Kontrolle über mein Leben.
Manchmal versuche ich auch, meine Gefhle zu kontrollieren.
In letzter Zeit gelingt mir das aber immer weniger
und mir steigen plötzlich Tränen in die Augen
oder ich explodiere regelrecht vor Wut.
Bisher habe ich mich jeweils rechtzeitig zurückziehen können
und ich hoffe, nicht irgendwann im falschen Moment
die Beherrschung zu verlieren.

Elle, 06.02.05

Unsichtbar

Ich liege da und die Tränen laufen über mein Gesicht.
In meinem Innern läuft im Hintergrund das Lied von
Xavier Naidoo "Sie sieht mich einfach nicht".

"Je mehr ich mich ihr näher, desto ungeschickter bin ich.
Mein Körper, meine Stimme, mein Gesicht".

Ich hoffe auf unbeabsichtigte Berührungen, auf einen Blick,
eine Unterhaltung, ein Lächeln.
Ich deute Hunderte von Bedeutungen hinein,
die nicht da sind.
Es sind nur Gesten, Blicke, Zufälle.
Keine Absicht.

"Ich bin wenig königlich. Sie sieht mich einfach nicht."

Und weshalb bin ich für ihn unsichtbar?
Oder hat er mich bemerkt und tastet sich vorsichtig voran?
So vorsichtig, dass ich es nicht bemerke?
Gebe ich die falschen Antworten, reagiere ich nicht richtig?

"Es gibt Grenzen, die man trotz Millionen von Soldaten wegwischt,
aber unsere überwindet man nicht."

Ist wohl doch eher so, dass ich mir wünschen würde,
dass da mehr ist.
Aber damit muss ich wohl leben.

Elle, 06.02.05

Gefühlswallungen

Jedes Mal, wenn ich Dich sehe,
werden meine Gefühle wieder wach.
Dann sehen wir uns eine ganze Weile nicht
und Dein Bild mitsamt meinen Tagträumen verblasst.

Die Farbe kehrt aber bei jedem Wiedersehen zurück
und wird durch ein resistenteres,
länger anhaftendes Präparat ausgetauscht.

Ich halte es fast nicht mehr in Deiner Nähe aus.
Ich könnte losheulen, dich anschreien, weshalb Du mich nicht bemerkst
oder Dich mit der Tatsache konfrontieren,
dass ich mich in Dich verliebt habe.

Aber ich lasse es.
Versuche, mich abzulenken, die Kontrolle nicht entgleiten zu lassen.
Nur lange kann ich das nicht mehr, fürchte ich.

Elle, 06.02.05

Lass mich los

Du verfolgst mich.
Tagsüber schleichst Du Dich in meine Gedanken,
nachts in meine Träume.

Bitte lass mich wieder los, geh aus meinem Kopf
und aus meinem Herzen.
Wenn ich Dich nicht für mich gewinnen kann,
hast Du dort nichts verlorenen.

Elle, 12.02.05

Perspektive

Es ist schon spannend.
Vor einem Jahr hab ich mich gefragt,
wie lange es wohl dauern wird,
bis jemand meine Talente für seine Firma nutzen will.

Mit jeder Absage begann ich
mehr und mehr an meinen Fähigkeiten,
der Aktualität meines Wissens zu zweifeln.

Wieso haben andere die Chance auf ein Gespräch erhalten,
währenddessen ich nur Briefe
mit aufmunternden Floskeln bekam?
Was hatten die, das ich nicht habe?

Mittlerweile hat sich die Perspektive geändert.
Ich frage mich, weshalb die Firmen mein Können
nicht nutzen wollen.
Weshalb sie davor zurückschrecken,
mich überhaupt in Betracht zu ziehen.

Durch die veränderte Fragestellung
erhalte ich spannende Antworten -
allerdings weiss ich nicht, ob sie zutreffend sind ;)

Elle, 12.02.05

Gewohnheiten

Der Mensch ist definitiv ein Gewohnheitstier.
Man gewöhnt sich auch an Dinge, die man nicht hat,
vergisst mit der Zeit, dass man sie vermisst.
Oder ist das nur bei mir so?

Elle, 14.02.05

Morgendliche Fahrt

Eins meiner Hobbies ist es, Leute zu beobachten.
Wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahre,
habe ich dafür eigentlich viel Zeit zur Verfügung.
Eigentlich.

Normalerweise vertiefe ich mich in eins
der englischen Bücher aus der Bibliothek
und kann mich voll und ganz entspannen.
Keine Gedanken, keine Phantasien über Menschen im Bus,
nur aufgehen in der Lektüre.

Wobei ... meine Stories zu den Gesichtern im Bus
sind auch frei erfunden - wie in den Büchern.
Vielleicht sollte ich mal wieder eine Kurzgeschichte beginnen ;)

Elle, 14.02.05

Wetter

Gestern traf mich fast der Schlag.
Am Morgen schien noch die Sonne,
die aber bald durch Wind und Regen ersetzt wurde.
Aber so richtig ungläubig starrte ich erst aus dem Fenster,
als ich die dicken Schneeflocken sah.

Gut, ok. Es ist Winter, zugegeben.
Und es gibt nichts Schöneres als Schnee,
der die Landschaft verzuckert
und im frühen Morgenlicht zu glitzern beginnt.

Elle, 14.02.05

Schutzengel

Es ist schon so -
bei mir schieben die Schutzengel
des öftern Überzeit.
Anders ist es gar nicht möglich,
dass ich nicht nur mit einem blauen Auge,
sondern gänzlich unversehrt davon komme.

Elle, 15.02.05

Sommerdüfte

Ich hab's mir im weichen Gras gemütlich gemacht.
Der Duft von Sommerblumen und frisch gemähtem Gras
steigt mir in die Nase.
Es ist ein herrlich warmer Tag und ich relaxe.

Bis auf einmal eine meiner Katzen zu maunzen anfängt
und mich aus dem Nickerchen reisst.
Ich bin auf meinem Bett eingedöst,
meine Vierbeiner haben mir wohl Gesellschaft geleistet
und ihre Wärme an mich abgegeben,
als sie sich neben mich gekuschelt haben.

Und der Sommerduft, ja ...
der strömt aus der frisch bezogenen Bettwäsche,
die mit einem Weichspüler gewaschen wurde,
bei dem die Werbung hält, was sie verspricht ;)

Elle, 21.02.05

Englischer Lesestoff

Je mehr englische Bücher ich lese,
umso grösser wid mein Wortschatz
und die Grammatik hat sich um Welten verbessert.

Manchmal passiert es mir sogar,
dass ich ein Gefühl bestens
mit einem englischen Begriff umschreiben könnte,
mir aber kein deutsches Pendant einfällt.

Ob ich zur Abwechslung lieber wieder mal einen Krimi
statt Liebesromane und Novellen lesen sollte?

Elle, 21.02.05

Eigentlich

Eins der häufigsten Worte in meinen Gedanken lautet "eigentlich".
Eigentlich sollte ich dies erledigen, das an die Hand nehmen
oder jenes abklären.
Aber es bleibt beim "eigentlich",
weil ich mich am Wochenende lieber aufs Sofa packe
und erst mal abschalte.

Dann plane ich, was alles ansteht und erledigt werden muss,
bis sich dann das andere "eigentlich" heranpirscht,
das mich weiter entspannen lässt,
und mir zuerst leise und dann immer lauter sagt,
dass ich eigentlich auch alles sein lassen kann, wie es ist -
nächste Woche ist auch wieder ein Weekend
... eigentlich.

Elle, 21.02.05

Unerreichbare Ziele

Das Problem von Hans im Schneckenloch
dürfte so alt wie die Menschheit sein.
Der eine grosse Traum, die verpasste Gelegenheit,
das "was-wäre-wenn"-Spiel.

Dabei gäbe es Tausende von Kleinigkeiten
und sicherlich bei jedem auch ein paar grössere Dinge,
über die man sich freuen kann
und niemals hergeben möchte.

Und dennoch überwiegt diese eine Sache,
die unerreichbar scheint.

Elle, 28.02.05

Romeo und Julia

Auch im Zeitalter der Emanzipation bin ich der Ansicht,
der erste Schritt sollte vom Mann ausgehen.
Es muss ja nicht grade die klassische Balkonszene
aus Romeo und Julia sein.

Man darf der Liebe auch gerne
an der Pforte zum Gartensitz huldigen.
Hauptsache, er ist dabei romantisch
und vor allen Dingen ehrlich.

Elle, 01.03.05

Hülle

Mein Figurtyp macht 20% der Bevölkerung aus
und noch immer spüre ich die verächtlichen Blicke der Mehrheit.

Ich werde nicht gerne auf meine Hülle reduziert.
Natürlich ist er der Blickfang.
Aber bin ich deswegen weniger wert,
nur weil ich einer Vorstellung, einem Schema nicht entspreche?
Ist nicht der Inhalt entscheidend?

Die Gesellschaft mag sich gewandelt haben
und ich bin eine unter vielen - trotzdem hat sich
die Einstellung und Akzeptanz kein bisschen verändert.

Elle, 23.03.05

Begegnungen zwischen zwei Wimpernschlägen

Das Gegenüber im Zug unbemerkt zu beobachten,
zu taxieren, zu betrachten,
ist die hohe Kunst des Spannern.
Ihn gedanklich zwischen zwei Wimpernschlägen als
"Hey du Knuddel" zu geniessen,
bis er eine Haltestelle später für immer
aus deinem Blickfeld verschwindet.

Elle, 29.03.05

Originelle und findige Wege

Es gibt so viele Möglichkeiten, eine/n Unbekannte/n ausfindig zu machen.
Weshalb nicht mal einfach im Zug/Tram sitzen bleiben und hinterhergehen?
Warum nicht mit dem Auto nachfahren?
Wieso nicht einfach genauer auf
Ausweise, Stempel auf Büchern, Laptops Unterlagen
schauen und dann Sherlock Holmes spielen?
Was spricht dagegen, eine Visitenkarte zu "verlieren"?

Wenn einem die Emailadresse bekannt ist,
weshalb nicht abchecken, wem die Domain gehört?
Hat man einen Namen - wieso nicht mal im Telefonbuch oder elektronisch nachschlagen?
Wieso nicht nach einem Stift oder Nastuch fragen?

Weil die meisten nicht auf solche Ideen kommen
und höchstens mal ein "Kennen wir uns nicht?" zu Stande bringen.

Elle, 29.03.05

Ist das alles?

Manchmal frage ich mich, ob mir das Leben nicht mehr zu bieten hat.
Ist das wirklich alles?

Morgens aufstehen, ins Büro fahren, wenig erfüllende Arbeit verrichten,
nach Hause fahren und je nach Müdigkeit
nur noch auf Sofa plumpsen
statt das Walking-Programm zu absolvieren
oder Badminton spielen zu gehen?

Ja, ich denke, das ist alles.
Alles andere muss man sich erarbeiten,
Zeit dafür nehmen, es fordern.
Aber einfach so geboten bekommen?
Nein! Sonst wäre es ja nichts Besonderes.

Elle, 04.04.05

Verpasste Chance

Am 1. April kann man nicht nur Leute veräppeln.
Man kann auch grundehrlich sein und gleichzeitig "April, April!" schreien.
Ich hätte beispielsweise einfach sagen können:
"Hey, hab mich in dich verliebt".

Und wenn mein Gegenüber rumzudrucksen beginnt,
verliere ich mein Gesicht nicht,
weil ich kichernd mit "reingefallen" reagieren kann.

Dumm nur, dass ich mich das nicht getraut hab
und so eine Chance verpasst habe,
das bestätigt zu bekommen,
was ich eigentlich längst weiss ;)

Elle, 04.04.05

Halb voll oder halb leer?

Alles im Leben wird beurteilt.
Wie, liegt im Auge des Betrachters.
Wenn ich mir meine jetzige Situtation ansehe -
ist dann das berühmte Glas halb voll oder halb leer?

Sicherlich hat es Vorteile, egoistisch nur das zu tun, was man grade will.
Es ist ja niemand an meiner Seite, der vielleicht andere Bedürfnisse stillen möchte.
Allerdings ist es auf Dauer auch nicht sehr befriedigend,
wenn man der Familie, Kollegen, Freunden oder Katze erzählt,
was man grad Tolles / Witziges / Trauriges erlebt / gesehen / gehört hat.

Fazit: Ich hab das Single-Glas halb ausgetrunken. Es ist halb voll
und ich schaue auf die vergangenen Monate voller Genuss zurück.
Und während ich die andere Hälfte austrinke,
ist vielleicht jemand an meinem Tisch,
der auch einen Schluck mit mir teilt.
Sonst würde ich nachbestellen -
und das doch eher widerwillig.

Elle, 22.04.05

Mit dem Kopf fühlen

Verstand regiert über das Gefühl.
Sogenannte Kopfmenschen treffen Entscheidungen
mit dem Verstand aufgrund von Fakten, Tatsachen, Überlegungen.
Ich zähle mich auch zu dieser Spezies.

Wenn ich dich länger nicht sehe, denke ich, ich hab dich abgehakt,
kann normal mit dir umgehen wie mit jedem anderen auch.
Diese Einstellung / Überzeugung hält genau bis zu dem Augenblick stand,
an dem ich von dir höre, dich sehe.

Und jedes Mal kommen die Gefühle noch heftiger hoch.
Der Verstand sendet laufend "Vergiss es, vergiss ihn. Keine Chance".
Aber der Befehl scheint im Magen verloren zu gehen
und wird vom Gefühl ignoriert.

Wie lange hält das Gefühl noch Stand,
wann bricht es meinen Willen oder zerreist mich innerlich?
Lange kann dieser Energie- und Widerstandskiller nicht mehr wüten.
Ich muss eine Lösung finden, bevor ich zusammenbreche.

Elle, 22.04.05

Deproschübe

Manchmal erschrecke ich mich selbst,
wie heftig mich Emotionen übermannen können.
Von einem Augenblick zum nächsten steigen Tränen in mir hoch
und ich bemitleide mich fürchterlich.

Beispiel? Ich war einkaufen und auf der Rückfahrt denke ich:
So - und jetzt nach Hause, Abendessen. Grillieren.
Pouletbrust, Peperoni und den Kartoffelsalat, den ich am Nachmittag vorbereitet habe.
Tränen stechen mir in die Augen.
Allein. Für mich. Nur für mich.
Die Mundwinkel beginnen zu zucken.
Sonst ist ja niemand da.
Und dann setze ich mich raus auf den Sitzplatz und esse.
Mir laufen die Tränen über das Gesicht.
Allein.
Unkontrollierte Schluchzer, verschwommene Sicht. Eigentlich sollte ich rechts ranfahren.
Vielleicht sind ja die Katzen da und leisten mir Gesellschaft.
Tiefe Seufzer. Nur noch einzelne Tränen.
Und während ich mein Fleisch gegen die Raubtiere verteidige,
resignierter Grinser
vergesse ich einen Moment, dass ich ganz allein eine Grillparty gefeiert habe.
Achselzucken und "was soll's-"Gedanken.

Elle, 30.04.05

Freie Tage

Mein Bruder fragte mich letztens, ob es mir nicht stinken würde -
so ganz alleine.
Klar. Es ist nicht dasselbe, allein über eine Filmpassage,
ein Strassenschild, eine Mutter mit ihrem eigensinnigen Nachwuchs
oder ein tolpatschiges Tier zu lachen.

Es ist vergleichbar mit einer Livesendung, von der dir jemand erzählt.
Das zuhörende "Opfer" muss sich aus den Schilderungen eigene Bilder erschaffen,
weil es ja keinen Zugriff auf dein Bildarchiv hat.

Und Unterwegs alle CD's rauf und runter zu singen
ist auf Dauer auch kein Ersatz für Unterhaltung.
Manchmal gehe ich was trinken - bewaffnet mit einem Buch,
denn die Tasse anstarren oder Leute beobachten ist auf Dauer auch öde.

Ob es mir stinkt, so ganz allein?
Sobald ich realisiere, dass ich alleine bin - ja.
Aber in den grossen Zwischenräumen,
in denen auch mal ein Deproschub vorbeizieht,
fühle ich mich wohl in meiner neuen Oase -
inklusive Hängematte versteht sich.

Elle, 01.05.05

Einsamkeit

Wann ist man wirklich alleine?
Als ich mich heute auf dem Sitzplatz mit meinen Katzen zu unterhalten begann,
kam schlagartig das Bild der wunderlichen alten Dame
mit ihren 20, 30 oder 40 Katzen in mir hoch,
die dauernd Selbstgespräche führt.

Und meine Unterhaltungen mit den Samtpfoten sind nichts anderes.
Das kommt davon, wenn man vor lauter Rumwerkeln
(Regal aufbauen, einräumen, Aussenboden "verlegen", Schilfmatten aufziehen, Hängematte montieren)
gar nicht realisiert hat, dass man den ganzen Tag keine Menschenseele sieht
und nur in Gedanken mit sich selbst gesprochen hat.

Kein Wunder, hat man plötzlich das Bedürfnis,
Stimmen zu hören, die nicht aus dem Radio oder TV plärren.

Elle, 02.05.05

Persönlicher Editor

Immer wenn ich länger schreibe oder lese,
macht mich Idefix unsanft darauf aufmerksam,
dass ich Buch oder Schreibzeug weglegen und ihn besser mal kraulen soll.

Ignoriere ich es, legt er sich kurzerhand einfach auf das drauf,
was meine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.
Manchmal versucht er aber auch, mir den Stift abzuluchsen,
so als wolle er sagten, ich würde nur Mist schreiben
oder es reiche für heute.

Elle, 03.05.05

Leere Wohnung

Was machen eigentlich all die Singles,
die keine Haustiere haben?
Ich weiss immer, dass ich begrüsst und manchmal sogar
schon sehnsüchtig erwartet werde.

Das Gefühl, in eine leere Wohnung heimkehren zu müssen,
bleibt mir so zum Glück erspart.

Elle, 03.05.05

Nur zwei Hände

Es sind die kleinen Dinge, an denen man oft merkt,
dass ein Partner fehlt.
Heute habe ich einen Felgenbaum zusammengeschraubt.
Das geht natürlich problemlos alleine.
Aber danach die Felgen auf das Gestänge zu hiefen,
hat mich ziemlich Nerven gekostet.

Die Zierdeckel haben fast alle Felgenöffnungen verdeckt,
so dass ich den Pneu nicht einfach über das Gestänge schieben konnte,
sondern waagrecht auf Schulterhöhe halten musste,
um die bereifte Felge dann endlich platzieren zu können.

So ein Teil ist nicht grade leicht -
da fehlen mir zwei helfende Hände natürlich enorm.

Elle, 04.05.05

 


    update dieser Site am: 04.05.05