| Ansichten und Einstellungen - die etwas längeren Gedanken |
Auf dieser Seite sind lauter Gedanken, die grösser als eine Bildschirmlänge sind (egal, welche Auflösung Ihr verwendet *g*)
| Alle Jahre wieder | 23.10.98 |
Inspiration | 14.06.98 |
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| Angst | 22.05.98 |
Lückenbüsser | 30.05.98 |
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| Déjà-vu | 22.05.98 |
Mittelmässigkeit | 02.03.99 |
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| Die Mauer | 19.06.98 |
Oscar Academy
Award |
28.02.05 | |||
| Die Sache mit dem Vermissen | 08.06.98 |
Schicksal oder Zufall? | 08.06.98 |
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| Energie tanken | 19.06.98 |
Selbstmordgedanken | 19.06.98 |
|||
| Entscheidende Sekunden | 05.07.98 |
Selbstverständlich | 08.06.98 |
|||
| Entscheidungen | 12.07.98 |
Träume | 14.06.98 |
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| Flexibilität | 31.07.98 |
Warten | 30.08.98 |
|||
| Häufigkeit | 25.12.98 |
Warum | 25.04.98 |
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| Hilfe-Schrei | 26.04.98 |
Wer glaubt ... | 08.01.01 | |||
| Homepage-Background | 19.06.98 |
Wie ein Hund | 08.06.98 |
|||
| Ich denke an Dich | 05.01.98 |
Wünsche und Hoffnungen | 17.06.98 |
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In Gedenken an das WTC | 29.09.01 |
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Ich
denke an Dich
Wenn ich an Dich denke,
umspielt unbemerkt ein Lächeln meine Lippen.
Mein Mund erhält einen weichen Zug,
schaue verklärt in die Ferne.
Ich gerate ins Schwärmen,
meine Konzentration ist dahin.
Ich sitze da, lächle vor mich hin,
schwelge in Erinnerungen.
Sitze einfach nur da und denke
an den einzigen Menschen,
dem ich ohne Vorbehalte
mein Herz verschenkt habe,
denke an Dich.
Dann steigt dieses andere Gefühl in mir hoch,
das mich ab und zu beinahe zu ersticken droht,
mir Angst macht.
Ich habe noch nie soviel
für jemanden empfunden wie für Dich.
Und ich fürchte den Tag,
an dem Du mir sagst, Du würdest mich nicht lieben,
nicht genauso für mich empfinden,
wie ich für Dich.
Meine Gefühle für Dich sind dermassen stark,
so erfüllend, alles andere
in den Schatten stellend.
Wenn ich in Gedanken Deinen Namen ausspreche,
scheint mein Körper von einem
Glücksgefühl durchströmt zu werden,
das mir eine unglaubliche Kraft gibt.
Manchmal bin ich überzeugt,
zu zweit sind wir unschlagbar,
können alles erreichen, was wir uns wünschen.
Alles scheint leichter zu gehen.
Solange wir zusammen sind,
kann mich nichts erschüttern, denn
in Deinen Armen fühle ich mich geborgen.
Ich danke Dir.
Elle 05.01.98
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Warum
Warum ist das Leben so, wie's ist?
Haben wir keine Chance, Einfluss zu nehmen?
Ist uns das Schicksal vorbestimmt?
Warum kann ich nicht einfach nur das Leben geniessen,
ohne andauernd diese Berg- und Talfahrten?
Ich habe jedes Mal angst, wenn es mir gutgeht.
Angst, der Ausblick von der Bergspitze
sei mir nicht lange vergönnt.
Und schon wieder brause ich in die Tiefe.
Jedes Mal schneller, tiefer, heftiger.
So rasant, dass ich nicht merke, wie mir geschieht.
Dann der Aufprall. Noch immer habe ich nicht
realisiert, was geschehen ist.
Liege leicht benommen am Boden, bis ich
mich mühsam aufrapple, hochblicke.
Weit oben erblicke ich Licht,
begreife, dass ich in einem Loch sitze.
Komme ich auch dieses Mal wieder raus,
ohne fremde Hilfe?
Wie oft muss ich das noch durchmachen?
Wer spielt so mit mir?
Und weshalb?
Habe ich das wirklich verdient?
Ich habe einfach keine Kraft mehr,
auch wenn das keiner merkt.
Setze wieder meine lächelnde Maske auf,
spiele das Spiel mit.
Noch ein einziges Mal.
Elle 25.04.98
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Hilfe-Schrei
Ich schreie, schreie um Hilfe.
Doch keiner hört mich.
Weil ich stumm schreie,
für die meisten unhörbar.
Ich würde so gerne jemanden um Hilfe bitten,
aber ich kann nicht.
Bräuchte jemanden, der mich in den Arm nimmt,
mir hilft, mir Kraft gibt, mir Mut macht.
Ich kann nicht.
Ich habe es nie gelernt.
Was ich bis zur Perfektion geübt habe,
ist, ein Lächeln aufzusetzen.
Ein "Mir-Geht-Es-Gut"-Lächeln.
Eine Maske.
Aber der ewige, unerschütterliche Optimist
gibt auf.
Kapituliert.
Du hast gewonnen.
Ich weiss, dass der Mensch nicht
zum Einzelgänger geschaffen ist.
Nur vereint sind wir stark.
Neue Perspektiven,
andere Blickwinkel
lassen vieles anders erscheinen.
Aber wenn ich mich verschliesse,
niemanden teilhaben lasse,
nicht zulasse,
dass mir jemand zu nahe kommt,
bleibe ich in meinem Cocon sitzen.
Ohne Hoffnung, dass sich etwas ändert.
Dass ich mich verändere und
weiterentwickeln kann.
Hörst Du mich,
hörst du meine Schreie?
Hilf mir,
wenn Du kannst.
Ich bitte Dich darum.
Elle 26.04.98
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Angst
Ich bin total ernüchtert. Wie Natalie Imbruglia richtig singt:
"Illusion never changed into something real"
Und trotzdem gebe ich mich den unmöglichsten Illusionen hin.
Möchte mich verkriechen, wenn ich mir bewusst werde,
wie aussichtslos das ganze ist. So unerreichbar, weit weg.
Möchte mich verkriechen und suche trotzdem
die pausenlose Ablenkung.
Nur nicht nachdenken müssen.
Keine Ahnung, wo mir der Kopf steht.
Ausgebrannt, leer, ohne Kraft.
Angst.
Angst, zu versagen,
Angst, unterzugehen.
Angst.
Niemanden zum reden.
Bin nirgendwo zu Hause.
Zur falschen Zeit am falschen Ort.
Keine Zeit. Für nichts.
Keine Lust. Für nichts.
Angst, dem Druck nicht
standhalten zu können.
Angst, dass es so bleibt und
meine Illusionen verpuffen.
Angst, meine Träume könnten wahr werden.
Denn - was dann?
Angst, dass sich alles verändert.
Ich muss dringend raus hier,
nicht nachdenken.
Einfach den Kopf abschalten.
Die Gedanken ziehen lassen
und wie Nebelschwaden
unbesehen an mir vorbeischeuchen.
Nur ja keinen Blick riskieren
und die dichten Wolken aufreissen lassen -
es könnte ja ein Sonnenstrahl
das grau in grau durchdringen
und die trüben Gedanken
in duftige, weisse Wölkchen verwandeln,
die frischfröhlich durch
meine Hirnwindungen entschweben.
Elle 22.05.98
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Lückenbüsser
Es gibt Menschen, die scheinen
zum Lückenbüsser geboren zu sein.
Ich gehöre auch zu dieser Kategorie.
Egal, auf wen ich auch treffe, ich scheine immer
das Provisorium im Mauerwerk zu sein.
Kaum ist die Wand stabilisiert und
ein passender Stein gefunden,
werde ich ausgewechselt,
vorzeitig aus dem Spiel genommen.
Ich habe aber keine Lust mehr,
immer nur auf der Reservebank zu sitzen
und einzuspringen, wenn sonst niemand mehr verfügbar ist.
Ich wäre gerne mal zur Abwechslung nicht nur
zweite, dritte oder vierte Wahl,
sondern die erste Wahl.
An mich scheinen sich die Leute immer erst zu erinnern,
wenn ich mich selbst melde.
Ich habe es satt, andauernd allen nachzurennen
und darum zu bitten, mich in den Ausgang mitzunehmen.
Ich will mich nicht aufdrängen und mit von der Partie sein,
mit dem Gefühl, nur geduldet und deshalb dabei zu sein,
weil sich niemand getraut hat, nein zu sagen.
Einen echten Freundeskreis habe ich keinen.
Ich kenne viele Leute, aber alle bloss ziemlich oberflächlich.
Ich scheine nie bei jemandem in die Tiefe zu dringen.
Wenn man sie fragen würde, was sie von mir halten,
hiesse es vermutlich "Sie ist ganz nett - mehr weiss ich nicht".
Kein Wunder, bin ich überall
nur der Lückenbüsser.
Elle 30.05.98
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Déjà-vu
Schon komisch, wenn man sich einen Film ansieht,
und das Gefühl hat,
genau diesen Satz, dieselben Worte
zu empfinden, sich darin zu erkennen. Ein Déjà-vu.
Mir liefen kalte Schauer über den Rücken,
als ich mir "Sleepless in Seattle" ansah
und Tom Hanks alias "Sam" der Radiomoderatorin sagte,
was er für seine grosse Liebe, seine Frau empfand.
Ich konnte 100%ig nachvollziehen, was Sam fühlte
und wieso sein Schmerz derart gross war,
dass er ihn nicht einmal mehr schlafen schliess und er sich
Nacht für Nacht stundenlang im Bett herumwälzte,
bis er in einen unruhigen Schlaf verfiel.
Auf die Frage, was ihm an seiner Frau so gefiel,
antwortete er:
"Es waren eine Million winziger kleiner Dinge.
Und wenn man die alle zusammenzählt, bedeutet das, dass wir
füreinander bestimmt waren.
Und ich wusste es. Ich mein, ich wusste es in dem
Moment,
als ich sie das erste Mal berührt habe.
Es war, als würde ich nach Hause kommen.
Nur war es ein Zuhause,
das ich vorher noch nicht kannte.
Ich hab ihre Hand genommen, Und - na ja,
ich wollte ihr aus dem Wagen helfen.
Und da hab ich's gewusst.
Es war wie - Magie."
Ich habe zwar niemandem aus dem Wagen geholfen,
aber dennoch fühlte ich mich vom ersten Augenblick an
geborgen und - zu Hause.
Es war für mich das selbstverständlichste auf der Welt,
dass dieser Mann zu mir gehört.
Nicht ER war selbstverständlich, wohlgemerkt,
sondern dass er bei mir ist und zu mir gehört.
Dieses Gefühl kann man sehr wohl als Magie bezeichnen.
Auch wenn ich nicht an übernatürliche Dinge glaube,
gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde,
die wir uns nicht erklären können - nichts geschieht per Zufall.
Klar hat man eine immense Bandbreite,
WIE man sein Schicksal angeht.
Es stehen einem immer mehrere Möglichkeiten zur Verfügung,
um sein (vorbestimmtes) Ziel zu erreichen.
Manche Wege sind einfacher, manche harter.
Doch sie führen alle zum selben Ziel -
dem Sinn unseres Lebens.
Manche Leute führen uns auf den richtigen Weg zurück,
andere lenken uns davon ab.
Zufall? Schicksal?
Ist das nicht dasselbe, bloss anders ausgedrückt?
Ich weiss nicht, ob ich momentan auf dem richtigen
Weg bin,
oder mal wieder davon abkomme.
Keine Ahnung, ob ich den einfacheren
oder komplizierteren Weg gewählt habe.
Ich weiss nur, dass es kein Zufall war,
dass ich auf einmal ein Stellenangebot in Zürich bekam.
Die Stelle verpuffte zwar so schnell, wie sie aufgetaucht war.
Aber die Idee, zurück nach Zürich zu kommen,
liess mich nicht mehr los.
Alles schien mich zurückzuziehen, so, als MÜSSTE
es sein.
Ich lernte neue Leute kennen, die alle aus dem Raum Zürich sind.
Im Bündnerland fing mich immer mehr an zu stören,
empfand alles als einengend und erdrückend.
Zürich erschien mir dagegen als befreiend und riesengross.
Klar war es eher eine Flucht
denn eine reiflich überlegte Entscheidung.
Aber wer sagt, dass Kurzentschlossenheit falsch ist
und alles immer lange durchdacht werden muss?
Elle 31.05.98
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Die
Sache mit dem Vermissen
Meistens vermisst man die Dinge am meisten,
die man mal besass,
in sein Herz geschlossen
und dann verloren hat.
Es ist nicht etwas, das in
unerreichbarer Ferne liegt.
Das sind wohl eher Wunschträume,
von denen man aber weiss, dass man sie
nie im Leben erreichen kann.
Und was man nie besessen, erlebt hat,
kann man nicht vermissen.
Nicht wirklich.
Der Grad des "Ich vermisse Dich"
steigt dabei proportional an mit dem
"Ich hab's so gern gehabt".
Je mehr man etwas ins Herz geschlossen hat,
um so heftiger ist das Gefühl des Verlustes.
Die Krönung ist dann noch,
wenn das Vermisste direkt vor einem steht.
So nah - und trotzdem unerreichbar.
Eine Schlucht reisst sich auf,
reisst einem in die Tiefe,
ins Tal der Sehnsucht und Erinnerungen.
Entschwindet es dem Blickfeld für eine Weile,
wird die Sehnsucht immer schwächer,
Erinnerungen rücken in den Hintergrund.
Aber eine Sekunde, ein Blick reicht
und die Gefühle überschwemmen einem
mit einer enormen Kraft.
Die Beine werden einem weggerissen,
man droht darin zu ertrinken.
Keine Chance, sich dem zu entziehen.
Noch nicht.
Elle 04.06.98
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Wie
ein Hund
Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Aber weshalb ist das so?
Er ist da, wenn wir ihn brauchen,
können ihm alles erzählen, ohne dass er was ausplaudert.
Egal, wie oft wir in treten, er ist uns treu ergeben,
wenn er uns erst mal ins Herz geschlossen hat.
Egal, wie heftig wir ihn von uns stossen,
er kommt winselnd angekrochen,
legt sich uns zu Füssen.
Wenn er Streicheleinheiten bekommt,
wedelt er freudig erregt mit dem Schwanz,
legt seinen Kopf in unsren Schoss.
Nichts böses ahnend.
Wenn man ihm pfeift, kommt er angelaufen
und gehorcht unserem Wunsch.
Manchmal fühle ich mich wie ein dummer Hund,
der einfach nichts dazulernt.
Der nach dem x-ten Tritt noch immer zu seinem Herrchen zurückkommt,
sobald seine Stimme wieder lieblich lockt
und ich ein paar Streicheleinheiten bekomme.
Vielleicht schmolle ich auch kurz im Hundehüttchen,
aber ich kann niemandem lange böse sein.
Wie ein Hund.
Ein bisschen gesunder Egoismus würde mir nicht schaden.
Nicht gleich beim ersten Pfiff den Kopf heben
und überstellig zu Herrchen rennen.
Sondern zeigen, dass ich eben nicht immer zur Verfügung stehe,
auch wenn es mich noch so juckt, gleich loszulaufen.
Nicht wie ein Hund.
Aber bis dahin habe ich noch ein hartes Training vor mir.
Elle 08.06.98
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Selbstverständlich
Wir schauen etwas als selbstverständlich an,
das wir tagtäglich um uns haben.
Etwas, das da ist,
zur Verfügung steht,
wann immer uns danach ist,
wenn wir es brauchen.
Wir vermissen es nicht - es ist ja da.
Heute erst ist mir bewusst geworden,
weshalb ich von niemandem vermisst zu werden scheine.
Wenn Not am Mann ist, bin ich zur Stelle.
Ruft jemand an und hat Lust, was zu unternehmen,
habe ich Zeit.
Oder nehme sie mir.
Es kommt höchst selten vor,
dass ich so eine Bitte oder Einladung ablehne.
Vielleicht wurde ich von demjenigen zu oft in die Warteschlange gestellt,
als ich mal zur Abwechslung eine Begleitung, Hilfe brauchte.
Ich betrachte niemanden als Selbstverständlichkeit.
Aber wenn ich mir immer wie ein Bittsteller vorkomme,
ist das auch nicht das tollste Gefühl der Welt.
So quasi: Nach dem x-ten Mal bekomme ich Unwürdige ein "ja"
und falle ehrfürchtig auf die Knie.
Dann nehme ich mir vor, das nächste Mal
auch keine Zeit oder keine Lust zu haben.
Aber der Hundeblick, das Bitten in der Stimme,
machen es mir unmöglich,
von der Selbstverständlichkeit zur Ausnahme zu werden.
Zu jemandem, den man vermisst,
weil er nicht immer Zeit hat.
Jemand, den man als kostbares Gut betrachtet,
wenn einem dessen Aufmerksamkeit zuteil wird.
Keine Selbstverständlichkeit.
Ein alltäglicher Standard,
den man gar nicht mehr bemerkt.
Elle 08.06.98
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Die
Mauer
Um mich herum eine dicke, feste Mauer.
Manchmal löse ich einen kleinen, losen Stein heraus.
Überlege, ob er für den Erhalt der Mauer nötig ist.
Drehe ihn in der Hand hin und her.
Denke nach.
Schaue links und rechts, ob mich niemand angreifen
will.
Lege den Stein vorsichtig auf die Erde.
In Griffnähe.
Da, ein Knall.
Schnell bücke ich mich nach dem Stein,
will ihn wieder in die Lücke in der Mauer schieben.
Doch er scheint nicht mehr zu passen.
Die Mauer lebt, verändert sich andauernd.
Ab und zu klaut mir jemand einen Stein aus meiner
dicken Mauer.
Ich kann mich nicht dagegen wehren und hoffe,
die Mauer stürze nicht ein.
Selten überredet mich jemand dazu,
einen Teil meiner Mauer einzureissen,
damit ich zum Vorschein komme.
Ein paar wenige haben es geschafft.
Es ausgenutzt, mich verletzt.
In Windeseile habe ich eine neue Mauer gebaut.
Noch höher. Noch fester.
Und der nächste, der mich zum Einreissen der Mauer
überreden will,
bekommt einen Stein an den Kopf.
Er muss einiges einstecken,
um hinter die kühle, abweisende,
oberflächliche Fassade blicken zu können.
Meine Mauer einreissen?
Nicht in naher Zukunft. Ich fühle mich sicherer hinter all den Steinen.
Brauche den Schutz, weil er meinen Panzer ersetzt,
der mich vor Verletzungen schützen soll.
Dummerweise sind die Zeiten der Ritter und Eisengewänder vorbei
und ohne Mauer bin ich schutzlos ausgeliefert.
Wie eine Schildkröte, die auf dem Rücken liegt
und sich nicht verteidigen kann.
Ohne meine Mauer,
meine diversen Masken, bin ich ausgeliefert.
Und das ist ein Scheissgefühl.
Ich überlasse nicht gerne andern die Kontrolle
über mein eigenes Leben.
Aber habe ich denn Kontrolle darüber?
Elle 08.06.98
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Schicksal
oder Zufall?
Mal ehrlich: Hast Du Dich noch nie gefragt, ob Dinge,
die Dir passieren, sein mussten oder einfach nur (dummer) Zufall waren?
Glaubst Du, Du lernst Menschen nur durch puren Zufall kennen
oder weil es sein muss?
Ich gehe davon aus, dass jedes Leben einen Sinn
hat.
Jeder muss sein Lebensziel, den Sinn des Lebens selbst herausfinden.
Und für manchen ist dies schon die grösste Hürde, eine kaum lösbare Aufgabe.
Wie wir dieses Ziel erreichen, ist uns überlassen.
Zig Möglichkeiten.
Aber wenn wir zu sehr abzudriften drohen, ereilt uns ein Schicksalsschlag
oder lernen jemanden kennen, der uns auf den rechten Pfad zurückbringt.
Manchmal passieren einem so viele Zufälle auf einmal,
eine geballte Ladung, die uns regelrecht zum Kurswechsel zwingen.
Ein Wink mit dem Zaunpfahl.
So als würde jemand sagen: "Und bist Du nicht willig, so brauch' ich Gewalt."
Zugegeben, oft passieren einem Dinge,
von denen man keine Ahnung hat, was man daraus lernen soll,
was einem diese Erfahrung bringt. Und doch war sie für etwas gut.
Vielleicht erkennen wir das später einmal - vielleicht auch nicht.
Einerseits wäre es toll, wenn das Leben vorbestimmt
und mit all diesen
Warn-/Korrekturvorrichtungen ausgestattet wäre.
Anderseits: Weshalb sollte ich mich dann nicht nur durch solche
Korrektureingriffe ans Ziel bugsieren lassen?
Interessiert es jemanden, wie man sein Ziel erreicht?
Elle 08.06.98
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Träume
Träume sind oft eine Reise in die Vergangenheit.
Der Schlüssel zu vielen Dingen aus dem Jetzt.
Manchmal gewähren sie uns sogar einen Blick in die Zukunft.
Die meisten von uns können mit den Geheimnissen,
die uns das Unterbewusstsein offenbart, nicht viel anfangen.
Verdrängtes, das immer wieder in den verschiedensten Träumen durchlebt wird,
tun wir als Alpträume, wirres Zeug ab.
Weil wir uns nicht erinnern, erinnern wollen, so etwas je erlebt zu haben.
Auch wenn wir es nicht mehr wissen, es nicht wahrhaben
wollen
und es vehement abstreiten: unverarbeitete Erlebnisse beeinflussen uns tagtäglich.
Wir können uns nicht erklären, weshalb wir in gewissen Situationen
so und nicht anders reagiert haben.
Manchmal blitzt ein déjà-vu durch unsere Köpfe, das mit einer Handbewegung abgetan
wird.
"Ach, vielleicht habe ich ja mal sowas geträumt. Oder von jemand anderem
gehört.
Kam das nicht in einem Film vor, den wir letztens gesehen haben?"
Ich unterscheide mich nicht von Gros der Leute.
Auch ich zähle ich zu den "Ungläubigen dieser Welt". Klar ist mehr
zwischen
Himmel und Erde, als die meisten von uns wissen und je erfahren werden.
Ich für meinen Teil glaube nur, was ich selber gesehen habe, was man mir beweisen
kann.
Das bedeutet nicht, dass ich andere als Spinner abtue.
Jeder soll an das glauben, was für ihn stimmt.
So tolerant muss man einfach sein.
Und ob diese höhere Macht, die ab und zu mal wieder ein Auge auf uns wirft,
nun Gott, Allah oder der Führer der geistigen Welt heisst, spielt keine Rolle.
Jeder glaubt an irgend etwas.
Selbst wenn er an nichts glaubt.
Elle 14.06.98
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Inspiration
Woher nehme ich meine Ideen? Keine Ahnung,
blühende Phantasie, Tagträume, Wünsche.
Hirngespinste.
Und auf einmal spinnt sich aus einem Gedanken
ein Text, er sich festzuhalten lohnt.
Für mich, für den Rest der Welt, je nachdem.
Manchmal wünschte ich mir,
jemand, dem ich etwas bedeute,
würde alle meine Tagebücher lesen.
Hinter meine Fassade blicken.
Mich verstehen.
Und wenn er mich dann noch immer mag,
ein echter Freund sein.
Aber ich kann meine Texte, die Erlebnisse
nicht einfach vor ihn/sie hinpappen und sagen:
"Da hast Du, viel Spass beim Lesen".
Und sie gezielt plazieren, damit man darüber "stolpert", ist auch
dämlich.
Erstens muss der-/diejenige so "frech" sein und sie einfach lesen
und zweitens soviel Courage haben, es mir auch zu beichten.
Anderseits. Viele Dinge habe ich in meinen Gedanken
niedergeschrieben
und auf meiner Page veröffentlicht.
Vieles habe ich aber bewusst nicht nicht mal angegangen
und schlummert irgendwo in mir - noch.
Anscheinend kommt das jetzt langsam hoch.
Ich sag's ja - zuviel Zeit zum Nachdenken.
Definitiv zuviel Zeit.
Elle 14.06.98
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Wünsche
und Hoffnungen
Worin besteht der Unterschied zwischen Wünschen und Hoffnungen?
Ein Wunsch ist etwas, von dem man mit grosser Wahrscheinlichkeit sagen
kann,
ob er sich erfüllen wird oder nicht.
Eine Hoffnung ist mehr als nur der Wunsch
nach etwas.
Sie beinhaltet Sehnsucht, Verzweiflung, bangen, Ungewissheit, Illusionen.
Eine zerschlagene Hoffnung kann Dich in die Tiefe reissen.
Man hat sich Illusionen gemacht, was-wäre-wenn...-Fäden gesponnen,
sich ausgemalt, wie es sein wird, wenn die Hoffnung erst realiter wird.
Hoffnung. Sie beinhaltet unglaublich viele Gefühle,
zehrt um so mehr an den Kraftreserven,
je mehr sie zum Luftschloss auf sandigem Untergrund aufgeplustert wird.
Ein Wunsch kann nie die Intensität der Hoffnung erlangen.
Hoffnungen sind meist negative Zukunftsprognosen, die aber nicht eintreffen
sollen,
obwohl man genau weiss, dass sie ziemlich sicher eintreffen werden.
Und dennoch bangt, hofft man auf ein Wunder. Ich
hoffe auf das Wunder,
von jemandem vermisst worden zu sein, der mir dann eine Liebeserklärung
macht und zu mir zurückkehrt.
Ein Wunsch, enorm intensiv.
Und eine alles überflutende Welle der Hoffnung, er werde sich erfüllen.
Mit der dunklen, ersäufenden Vorahnung, dass er sich nie verwirklicht.
Elle 19.06.98
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Homepage-Background
Tatsächlich - es stimmt!
Meine ganze Page spiegelt mich, mein Wesen wider.
Alles, was ich niederschreibe - und WO ich es niederschreibe.
Mir selbst fiel das nicht auf, mit einem Augenzwinkern
musste ich erst darauf aufmerksam gemacht werden.
Angefangen beim Hintergrundbild der allgemeinen
Pages - einer Backsteinmauer -
zum Bild auf den Gedankenseiten - dicke, undurchsichtige Wolken -
bis hin zu meinen Kurzgeschichten - Schreibblock -
passt alles zusammen.
Ich schütze und umgebe mich mit einer teilweise
unüberwindbaren Mauer,
viele wissen nicht, woran sie sind und wie sie mich zu fassen kriegen
irren vollkommen im Nebel umher.
Und alles, was mich bewegt, was ich erlebe,
schreibe ich in einem Tagebuch nieder.
Elle 19.06.98
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Selbstmordgedanken
Manchmal kann ich mich total in etwas hineinsteigern.
Ein Gedanke folgt dem nächsten und
plötzlich bist Du auf dem Depro-Trip.
Ich kann mich noch gut an einen bestimmten Abend
erinnern. Da war einmal ziemlich schräg drauf.
Es war Freitag und ich sass mal wieder alleine zu Hause.
Kein Schwein rief an, niemand schien zu bemerken, dass ich existierte. Unwichtig.
Was sollte ich überhaupt noch hier? Was hatte das ganze noch für einen Wert?
Wer würde mich schon vermissen?
Die einzige Person auf dieser weiten Welt, die
mich wirklich vermissen würde,
schien meine Oma zu sein.
Sonst würde mich kein Mensch vermissen.
Ich stand in der Küche, an einen Schrank gelehnt
und fing an, mir auszumalen, was dann geschehen würde.
Angenommen, ich würde mir jetzt die Pulsadern aufschneiden.
Dann würde mich frühestens am Montag jemand vermissen.
Ich rutschte am Schrank entlang auf den Boden,
kauerte mich zusammen, weinte.
Kein Mensch würde mich retten können, weil mich niemand vermisst.
Jemand aus dem Büro würde anrufen und sich wundern, dass niemand abhebt.
Sie würden es am nächsten Tag nochmal probieren,
am übernächsten und dann mal meine Oma anrufen.
Sie würde sich sonst eigentlich erst donnerstags
wundern,
wenn ich nicht zum allwöchentlichen Mittagessen kommen würde.
Sie würden mich im Badezimmer in meiner eigenen Blutlache finden.
Sich fragen, weshalb ich das getan habe.
Aber rückgängig kann es keiner machen,
es ist zu spät, jetzt bin ich für immer weg.
Noch immer kauerte ich auf dem Boden,
stammelte nur noch, keiner würde mich vermissen, mich vermisst niemand,
wiegelte hin und her, weinte.
Auf einmal wusste ich, wie sich die Leute fühlen
müssen,
die versuchen, sich das Leben zu nehmen.
Was sich in einem abspielt.
Die Ausweglosigkeit, keine Hoffnung, Verzweiflung.
Ich erschrak ab mir selber
Aber ich weiss, dass ich mich nie umbringen werde.
Erstens bin ich viel zu feige dazu und zweitens ist das Leben viel zu schön,
um vorzeitig auszusteigen - auch wenn es manchmal noch so "verschissen"
ist.
Elle 19.06.98
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Energie
tanken
Auf die Parallelen zwischen der Page und mir wurde ich
von einem Menschen darauf aufmerksam gemacht,
der mir viel bedeutet.
Der mir ein Freund ist und mir die Energie gibt,
die ich zur Zeit dringendst brauche.
Er bringt es aber fertig, mich mit Worten und Gesten
aufzubauen,
sagt mir, ich sei ein wertvoller Mensch.
Und ich glaube ihm das.
Wenn auch nur zögerlich.
Mit ihm kann ich über alles reden,
über meine Ängste, Gefühle, über meine Freuden und Spässe.
Das ganze ist aber nicht ganz so einseitig, wie
es scheint.
Auch ich bin für ihn da, wenn er jemanden braucht,
der ihm zuhört, wenn er reden will und
ihn aus den Tiefen der schwarzen Gedanken holt.
Ihn einfach in den Arm nehmen und ihm zeigen,
dass er nicht alleine ist.
Ein echter Freund eben.
Solche Männer sind verdammt selten
und eigentlich müsste ich ihn festhalten,
weil er ein dufter Typ ist und ich ihn gut leiden kann.
Aber ich will nicht.
Ich habe mich nicht in ihn verliebt, auch nicht
verguckt.
Ich mag ihn einfach total gut und fühle mich wohl in seiner Nähe.
Wenn er nicht da ist, vermisse ich ihn aber nicht so,
wie man jemanden vermisst, den man liebt.
Ich vermisse dann ganz einfach
einen wirklich lieben Menschen.
Elle 19.06.98
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Entscheidende
Sekunden
Sekundenbruchteile können über Dein Leben entscheiden.
Gestern Nacht hatte ich Angst.
Angst, tatsächlich innert Sekunden in Todesgefahr zu schweben.
Ich fuhr nach dem Zürifäscht total übermüdet heim.
Schon die ganze Woche über habe ich mehr oder weniger nur 4 Stunden pro Nacht
gepennt.
Jetzt war es schon wieder nach halb vier, als ich endlich auf dem Heimweg war.
Baustellen, wohin das Auge reicht.
Eigentlich müsste ich hellwach sein vor lauter Konzentration.
Aber ich kann nicht mehr.
Habe den ganzen Abend über zuviel nachgedacht,
meine Energie verpufft.
Auf der halben Strecke merke ich auf einmal, wie
ich mit den Augen Mühe bekomme.
Ich sehe nur noch alles verschwommen, drohe einzunicken.
Ich schüttle den Kopf, bekomme wieder einen klaren Blick.
Doch schon nach wenigen Augenblicken muss ich mich enorm darauf konzentrieren,
die Augen offenzuhalten.
Ich schalte das Radio ein, singe aus voller Kehle,
drehe das Fenster runter und die Heizung ab.
Es nützt nichts. Dann auf einmal nicke ich ein.
Nur für eine Sekunde.
Aber das realisiere ich erst, als ich wieder aufschrecke
und schon auf der anderen Fahrbahn bin.
Ich fange an, laut mit mir selber zu sprechen,
beschimpfe mich, wie dumm es war, um diese Zeit noch heimzufahren.
Wieder kämpfe ich mit der Müdigkeit.
Eigentlich müsste ich jetzt voller Panik alles Mögliche versuchen,
um nicht nochmal einzuschlafen.
Aber ich bin zu müde, zu schlaff.
Und schon wieder realisiere ich, dass ich eingenickt bin.
Unruhig rutsche ich auf dem Sitz herum und hoffe nur noch,
heil nach Hause zu kommen.
Das Schild verrät mir: Noch 57 km bis nach Hause - eine halbe Ewigkeit,
wenn man alle paar Minuten einschläft.
Aber wo sollte ich pennen? Auf dem Pannenstreifen vielleicht?
Ich kämpfe mit dem Schlaf, mit mir selbst, mit
dem Wagen.
Kämpfe um jede Minute, jeden Meter, jeden Augenaufschlag.
Irgendwie habe ich es dann doch noch geschafft,
heil zu Hause anzukommen.
Ich danke meinem Schutzengel, dass ich an keiner Leitplanke
oder einem anderen Auto kleben geblieben bin.
Das nächste Mal wird nicht mehr so übermüdet heimgedüst - versprochen!
Elle 05.07.98
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Entscheidungen
Schon komisch. Manchmal willst Du etwas unbedingt.
Kannst es aber nicht bekommen. Du weisst es ganz genau,
aber trotzdem lässt Du nichts unversucht, das vielleicht doch noch ändern zu
können.
Man weiss ja nie...
Und genau da ist der Hase im Pfeffer begraben.
Solange man NICHT weiss, ob es einen Silberstreifen am Horizont hat,
ob vielleicht doch ein Funke Hoffnung besteht,
kann man nicht loslassen.
Manchmal will man etwas unbedingt.
Aber sobald ich weiss, dass der Wille allein nicht zum Ziel führt,
akzeptiere ich die Situation und füge mich dem Schicksal.
Wieso nur können das nicht alle?
Weshalb klammern sich so viele Leute an vergangene Dinge,
die sie auch in Zukunft nicht ändern können?
Es nützt nichts, andauernd in der Vergangenheit zu leben
und dabei die Gegenwart zu verpassen,
weil man sich andauernd wünscht, die Zukunft möge eine Wende bringen.
Ich habe mich entschieden,
mein Leben hier und jetzt zu leben.
Die Vergangenheit ruhen lassen,
keinen Gedanken daran zu verschwenden,
was ich hätte besser oder anders machen können.
Ich fühle mich befreit.
Gelöst.
Bereit, neu anzufangen.
Elle 12.07.98
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Flexibilität
Es scheint so, als wäre ich es nicht mal wert,
auf das reply-icon in einem Mail-Programm zu klicken.
Meine Nachrichten werden schlicht ignoriert.
Ist es denn wirklich eine solche Überwindung?
Es ist noch nicht mal enorm Zeitaufwendig.
Ein "Sorry, hab was anderes vor." reicht doch voll und ganz,
es muss kein ganzer Roman sein.
Diejenigen, die mich zu kennen glauben,
wissen, dass für mich das schlimmste ist,
wenn ich angeschwiegen werde.
Mich ignorieren, belügen und anschweigen - meine
ganz persönliche Horror-Trilogie.
Anderseits: Wieso muss mich jemand kennen, um mir
zu antworten?
Was für eine Erziehung haben diese Leute eigentlich genossen?
Es ist doch nicht mehr als Anstand, auf eine Nachricht zu reagieren.
Ich habe keine Lust mehr, Leuten hinterherzurennen,
die dann doch die meiste Zeit auf meine Flexibilität bauen -
und kurzfristig unsere gemeinsamen Pläne über Bord werfen.
"Du verstehst das doch, oder?"
Nein, ich verstehe nicht, wie man eine
an sich gute Eigenschaft dermassen ausnutzen kann.
Aber wenigstens reagieren sie dann,
sei es auch nur, um mal wieder abzusagen.
Elle 31.07.98
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Warten
Ich hasse es, zu Hause rumzusitzen und auf einen Anruf zu warten,
der dann doch nicht kommt.
Meistens traue ich mich nicht recht aus dem Haus,
schliesslich könnte ja genau dann der Anruf kommen.
Oder wenn ich in die Waschküche gehe, während dem
Staubsaugen,
wenn ich unter die Dusche stehe, mir einen geilen Song in voller Lautstärke
über die Kopfhörer anhören will.
Alles Dinge, die ich aus einer Verlegenheitssituation heraus anpacke.
Ich getraue mich nicht, mich aufs Motorrad zu schwingen,
Joggen zu gehen
oder mit dem Rad und Fotoapparat bewaffnet die Gegend zu erkunden:
Ich würde das Telefon nicht hören.
Und dauernd der Blick auf den Display: Hat's geklingelt und ich hab's nicht gehört?
Frustration macht sich in mir breit.
Eigentlich habe ich gar keine Lust mehr, wegzugehen.
Und doch: Wenn das Telefon klingelt, schlägt mein Herz ein paar Takte schneller,
ein Glücksgefühl macht sich in mir breit.
Aber eigentlich sollte ich mich ja missmutig melden,
schliesslich hat man mich lange auf dieses ersehnte Geräusch warten lassen.
Ich sammle mich kurz, bevor ich den Hörer abhebe
und gelangweilt, enttäuscht zu klingen versuche.
Elle 30.08.98
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Alle
Jahre wieder
Für mich ist Geburtstag nicht soo wichtig.
Wenn er aber als Gradmesser für
Beliebtheit und Freundschaft dient...
... bin ich ziemlich einsam.
Es trifft mich, wenn Freunde oder Familienmitglieder
meinen Geburtstag vergessen.
Je mehr der Tag voranschritt
und sich von ihnen niemand meldete,
umso enttäuscher war ich
und desto trauriger wurde ich.
Enttäuscht? Eigentlich wurde ich mir
meiner inneren Einsamkeit bewusst.
'Wieder ein Geburtstag, an dem Dich
kein Mann in die Arme schloss und Dir sagte, er mag Dich'
Es wurde mir klar, wieviele Leute mir tatsächlich nahestehen.
Offenbar niemand, von denen ich dachte, ich würde ihnen etwas bedeuten.
Andrerseits erinnerten sich Leute an meinen Geburtstag,
von denen ich es nie erwartet hätte.
Menschen, die mich ein, zweimal gesehen haben
oder einmal im Jahr was von mir hören.
Abendessen im 'trauten' Familienkreis.
War amüsant und lenkte mich ab.
Total frustrier fuhr ich nach Hause
und traute meinen Augen kaum.
Der Briefkasten quoll beinahe über von Karten,
witzigen Päckchen und vor der Tür ...
... wunderschöne Blumensträusse.
Wieder liefen mir Tränen über die Wange -
aber diesmal aus Freude.
Es haben also doch noch Menschen an mich gedacht.
Ich öffnete Karte um Karte, mein Lächeln wurde immer breiter.
Packte die Pakete aus, lachte über die witzigen Ideen der Leute.
Entfernte das Blumenpapier und staunte.
Zwei Sträusse mit roten Rosen - ohne Unterschrift auf den Karten.
Keine Ahnung, von wem oder weshalb.
Ok, ich habe Geburtstag - aber 26ig Baccerat-Rosen?
Wer ist so wahnsinnig, mir einen dermassen schönen Strauss zu schicken
und auf der Karte mit einem Wortspiel zu unterschreiben?
Ich ging auf Vasensuche und stellte die Blumenpracht ins Schlafzimmer.
Vielleicht hatte mir ja noch jemand ein E-Mail geschickt
und einen Hinweis ggeben, wer weiss.
Es waren zwar Gratulationsmails dabei *freu*,
aber kein "He, Gemüse bekommen?"-Mail.
Also spielte ich am nächsten Tag Detektiv
und rief in den Blumenläden an.
Erstaunen - wenn ich dermassen viele Blumen bekäme,
_müsse_ ich doch wissen, von wem die seien.
Tja - eben... Sie meinte dann, sie dürfe es nicht
verraten, bloss den Vornamen.
Zwar hatte ich dann eine Idee, aber fand sie ziemlich
absurd.
Nun, ich telefonierte weiter und bekam auch heraus,
von wem der zweite Rosenstrauss war -
und guckte noch viel überraschter in die Welt.
Ich hätte mit jedem gerechnet, aber nicht mit ihm.
Schon gar nicht, da eine Kollegin meinte, er würde es sowieso vergessen.
Ein Mail vielleicht - aber Blumen?
Tja. Der Typ hat einfach Stil.
Im Nachhinein war es also ein wunderbarer Tag -
und das nächste Mal bleibe ich zu Hause,
bis die Post gekommen ist
und ich von Leuten enttäuscht bin,
die eben DOCH an mich gedacht haben.
Und kann dann den Tag geniessen.
Elle 23.10.98
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Häufigkeit
Es stimmt nicht, dass es bei mir Tage gibt,
an denen mir mehr Gedanken durch den Kopf gehen.
Aber ich habe nicht immer Schreibzeug in der Nähe,
um sie festzuhalten.
Oder ich habe keine Lust, sie hier zu publizieren.
Wer denkt, hier stünde alles,
was ich so denke,
oder erlebt habe,
was mich freut, bewegt, bedrückt, -
der irrt gewaltig.
Ok, ich kehre hier manchmal mein Inneres nach Aussen.
Aber doch nur einen klitzekleinen Teil von mir.
Eine der vielen Facetten der Elle.
Wer mich _wirklich_ kennenlernen will,
kann das nicht auf dem Netz.
Trotzdem könnt Ihr immer wieder ein paar meiner
Gedanken lesen.
Manchmal über verschiedene Tage verstreut,
manchmal auch mehrere mit demselben Datum.
Denn wenn ich mein Gedankenheft vor mir habe,
auf dem Bett liege und nachdenke...
spinnt sich der Faden von einem Text zum nächsten.
Manchmal reisst er
und ich hüpfe zu einem total anderen Thema.
Aber das ist relativ selten,
und so entsteht dann halt eine Serie von Texten
mit derselben Thematik
und demselben Datum...
Elle 25.12.98
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Mittelmässigkeit
Manchmal habe ich den Eindruck,
ich könne mich weder vor- noch zurückbewegen.
Habe das Gefühl, erdrückt zu werden.
Erdrückt in der Spirale,
in der es mich nach unten zieht.
Bemitleide mich selbst
für etwas, das mich im Moment gerade stark bewegt
oder nicht so läuft, wie ich es gerne hätte.
Heute dachte ich mal wieder,
wie arm dran ich doch sei und
wie ungerecht das Leben ist.
Wieso passiert sowas immer mir?
Und auf einmal klärte sich das Chaos in mir
und mir war schlagartig bewusst:
Ich bin trotz allem ein Sonntagskind.
Ja, so ist es.
Ein Sonntagskind,
das zwar schon viel erlebt hat,
aber trotzdem in Einzelfall
nie über die Mittelmässigkeit hinauskam.
Was ist mir denn schon schlimmes passiert?
Nichts.
Gut, ok, es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein.
Es hat sich aber immer alles wieder eingeränkt
und ich kam mit einem blauen Auge davon.
Ich komme mir so lachhaft vor,
wenn ich mich mit anderen vergleiche,
denen es wirklich schlecht geht und
denen das Leben übel mitspielt.
Im Vergleich zu denen sind meine Probleme Peanuts.
Und wieso fühle ich mich dann noch immer mies?
Elle, 02.03.99
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In
Gedenken an das WTC
Ungläubig hörte ich von den Geschehnissen in den USA.
Erst hielt ich es für einen schlechten Scherz,
der von Minute zu Minute bitterer Ernst zu werden schien.
Die Bilder sah ich erst am Abend im Fernsehen,
starrte noch immer ungläubig auf den Schirm.
Ein Witz?
Ein Trailer für "Independence Day 2"?
Etwas, das wie im Buch "The Brethren" von John Grisham
nur inszeniert wurde, um einen Präsidenten zu puschen?
Oder wie im Film mit Dustin Hoffmann als Filmregisseur,
der Nachrichten mit Kriegsszenen aus Studioproduktionen bastelte?
Fasziniert und schockiert zugleich
liess ich den Einsturz beider Türme auf mich wirken.
Durch alle Kanäle zappend die Bilder der Flugcrews
und Namen von Passagieren konsumieren.
3 Tage später durchs Internet surfen,
das wieder zugänglich ist.
Zum tausendsten Mal den Einsturz miterleben.
Noch immer ungläubig,
langsam abstumpfend ob all den Bildern
und Berichterstattungen.
Ist es wirklich passiert?
Sind die Türme tatsächlich weg?
Ein Grab für 1000ende von Menschen?
Wieso finden sie dann niemanden?
Die grausige Wahrheit,
sie seien zermalmt bis zur Unkenntlichkeit,
friert mich nur kurz.
Wie viele andere muss ich den Leichenberg sehen,
um zu begreifen,
was wirklich passiert ist.
Unfassbar.
Unvorstellbar.
Erst wenn man die Anrufe ab Tonbändern hört,
Angehörige von Telefonaten erzählen,
setzt eine Gänsehaut ein,
steigen mir Tränen in die Augen.
Aber das ist die Reaktion auf die Einzelschicksale.
Die Tragödie als Ganzes lässt mich
- so erschreckend das klingt -
kalt.
Dafür ist es zu unglaubwürdig,
zu ... hollywoodmässig.
Vermutlich werde ich es erst glauben,
wenn ich das nächste Mal in New York an der Stelle stehe,
wo einst die Türme in den Himmel ragten.
Elle, 11.09. / 29.09.01
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Oscar
Academy Award
Jedes Jahr schaue ich mir die Oscarverleihungen an.
Nein, in den letzten Jahren nicht mehr live - auch ich werde älter
und Freinächte sind nicht mehr so mein Ding.
Jahr für Jahr kämpfen 5 Menschen in all
diesen Kategorien
um die Anerkennung ihrer Arbeit.
Ein paar sind immer wieder nominiert - und immer wieder gehen sie leer aus.
Aber weshalb ist ihnen diese Statue so wichtig?
In dieser Academy sitzen etwa 140 Personen, die
nominieren und prämieren.
Für mich wäre viel entscheidender, ob das Kinopublikum den Film,
die schauspielerische Leistung, die Regieführung, die Filmmusik,
die Special Effects oder Kostüme gefallen.
Dann müsste ein Publikumspreis doch viel mehr wert sein
als dieser elitäre Oscar.
Allerdings geraten die Gewinner immer nur bei diesem
goldenen Mann
aus der Fassung, wenn er ihnen überreicht wird.
Und es tut mir im Herzen weh, wenn jemand denkt,
er habe es wieder nicht geschafft, seine Leistung anerkannt zu erhalten
und habe erst etwas erreicht, wenn er einen Oscar gewonnen hat.
Elle, 28.02.05
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